
Diese Woche war ich mit Peter einem unserer Worker fuer die Arbeit unterwegs. Wir brachten drei unserer Jungen nach langer Ruecksprache zu ihren Familien zurueck, fernab von Mwanza in kleinen Doerfern. Unterwegs auf Schiffen, Booten und Boetchen, Motorraedern, Fahrraedern, Trikes, Jeeps, Bussen oder zu fuss erreichten wir die entlegenen Orte am oder im Viktoriasee. Zwar gerademal 150 bis 250 km von Mwanza entfernt brauchten wir fuer beide Wege ganze vier Tage. Erstmals sah ich auf unserer Reise, das Tansania in dem bei weitem die meisten Menschen leben. Lediglich rund 10% der Bevoelkerung leben in urbanen Regionen. Auf dem Lande leben die meisten Menschen von Subsistenzwirtschaft. Medizinische Versorgung ist selten, die Stromversorgung betraegt ganze 3%. Alles war sehr sehr anders als das was ich vom doch recht weit entwickelten Mwanza gewohnt war und erstmals wurde ich mit Armut jenseits von bettelnden Strassenkindern konfrontiert.
Nichtsdestotrotz gibt es in den Staedten eine Hand voll Menschen, die es zurueck zieht zum Leben im Dorf und zum Bauerndasein.
Die Reaktionen der Familien zu denen wir reisten waren sehr unterschiedlich auf das ploetzliche Auftauchen eines lange verschollenen Kindes. Gleichmut bis zur fassunglosen Freude. Eines aber war stets gleich, ein Weisser im Dorf, das ist eine Seltenheit. Staunen, Starren, Rufen. Von manchen wurde ich sogar nicht Mzungu, Weisser, gerufen, mangels Vergleich wohl als Mwarabu, Araber oder auch Mchina, Chinese eingestuft.
Deutlich laenger als geplant wurde unsere Reise durch die typische Eigenort unserer Jungs. Am Viktoriasee gibt es zwei recht weit voneinander entfernte Orte, Kome ein Insel und Nkome Festland. Zwei der Jungs kamen angelblich aus Nkome, fuer dessen Erreichen wir auch bezahlt hatten. Statt anstatt 20 Stunden Schifffahrt, war die Reise schon nach vier Stunden vorbei als James uns beim ersten Stopp an Kome mitteilte, hier sei sein Zuhause. Der Weg von Kome nach Nkome schliesslich dauerte mehr als einen Tag.
Ein anderer Junge wollte seit langem zur Bibi, seiner Oma in Muganza einem elend kleinen Dorf. Dort endlich angekommen dann fiel ihm ein, bei Mama ist es doch am besten. Die jedoch lebt in genau entgegengesetzter Richtung, aus der wir uebrigens auch kamen...
Aber was solls, ich reise ja gern und sah eine Menge rund um den See, Peter jedoch nahms nicht so locker und war mal garnicht typisch tansanisch entspannt.