Montag, 10. August 2009

Mosambik - auf ausgetretenen Pfaden







Per Nachtzug von Zimbabwe kommend mit vielen Impressionen im Gepaeck, schlug ich in Mosambik in einem sehr verschiedenen Land auf. Zunaechst lief alles wie gewohnt. Den ersten Tag arbeiteten wir uns ueber 700km von Lift zu Lift, hinunter an die warme Kueste. Nach zwei Chapa-Minibussen und vier plaerrenden Babys, mal im Akkord mal im Kanon (man ist ja musikalisch hier..), gab es einen deutschen Lift. Sie Mitarbeiterin beim DED, das Auto finanziert von der GtZ. Auf dem Weg erzaehlt sie uns von ihrer Entwicklungsarbeit zusammen mit der mosambikanischen Regierung zum Thema AIDS. Doch wie schon so oft, so auch hier die Bestaetigung, schiessen die "Hilfsgelder" zwar irgendwo hin, doch eigentlich nur in ein paar Privattaschen oder aufwendige Geschaeftsessen, beziehungsweise ihr schickes Auto. Dieses naemlich moechte gerne wieder durch ein neues ersetzt werden, es ist ja schon zwei Jahre und damit alt.
Aber zurueck zur Strasse. Nach einem weiteren Lift, diesmal ein Unicef Auto verliehen an reisende Privatpersonen und einer Truck- sowie Pickup-Ladeflaeche empfaengt uns der Indische Ozean. Endlich wieder Waerme nach dreiwoechigem Frieren in Zim und Zambia. Wir sind im suedlichen Teil Mosambiks und das war zwar vorher klar, dennoch aeusserst komisch, inmitten von Touristen. Dicke Amerikaner, groelende Deutsche, Englaender und Hollaender. Na wunderbar. Zwar wusste ich nichts ueber Mosambik vor meiner Ankunft, der Rest der Welt wie es scheint jedoch schon.
Wir verbringen die meiste Zeit in kleinen Stranddoerfern, die mehr weisse Touristen als Locals beherbergen. Raus aus Afrika so scheint es mir.
So schlecht das bisher klingen mag, so schoen ist die Kueste Mosambiks dafuer. Ein Postkartenbild reiht sich an das naechste und einer der besten Tauchspots ist es zugleich. Nach vier Tagen Tauchkurs bin auch ich soweit und darf im Ozean Unfug stiften. Ein schoenes Gefuehl durchs Wasser zu schweben.
Aber weiter geht die Reise, Maputo die Hauptstadt gibt Hoffnung auf etwas mehr Mosambik und etwas weniger Touri-Schauer. Am Wasser gelegen bietet die Stadt ein mediterran-sozialistisches Flair. Hohe Wohnblocks dominieren das Stadtbild, die Strassen sind gesaeumt von Baeumen. Es ist haesslich und schoen zugleich, ein besonderer Charme. Die Stadt ist ein Sortiment aus Spuren der Vergangenheit verschmolzen mit dem Hier und Jetzt. Alte pompoese Bauten aus der portugiesischen Kolonialzeit versetzen mich auf die iberische Halbinsel. Die Strassennamen zeugen wiederrum vom Sozialismus der Post-Unabhaengigkeit und tragen die Namen von Persoenlichkeiten wie Karl Marx, Engels, Lenin oder Mao Tse Dung. Kunstvoll bemalte Mauern erzaehlen die Geschichte des 17 Jahre langen Buergerkrieges der durch das Land fegte. Die Strassen sind gesaeumt von Muell und gemuetlichen Cafes voller Kunst und Musik. Zurueck im Afrika wie ich es kenne, Maputo gefaellt durch seine Kontraste. Dennoch so habe ich das Gefuehl zwar in Mosambik zumindest physisch gewesen zu sein, doch aber nichts vom Land gesehen zu haben. Ein allemal nur an der Oberflaeche Kratzen. Schade, Tourismus hinterlaesst nunmal nichts so wie es einmal war.
Heute fahre ich weiter ins winzige Swasiland, von dem ich hoffe mehr zu erfahren als ueber Mosambik. On the road again.

Sonntag, 2. August 2009

Zu Besuch bei Mugabe












Zimbabwe Kornkamer Afrikas, steigender Stern und sogar mehr Wohlstand als der grosse Nachbar Suedafrika. So koennte ein Reisebericht lauten, geschrieben vor noch 15 Jahren. Damals als Freiheitsheld und Dauerpraesident Robert Mugabe noch nicht gaenzlich erkrankt war an einem Syndrom, das sich Macht nennt.
Heute bietet das Land dem Beobachter in einem anderen Licht dar. Am Grenzuebergang zu Zambia steht auf Blechschild geschrieben “You are now entering Zimbabwe”. Willkommenheissen oder Drohung? Mit diesem Gefuehl ging es ueber die Grenze, noch ein letzter Blick auf die Victoria Falls. Vic Falls, die gleichnahmige Stadt am Fusse der Falls bietet ein trostloses Bild. Nahezu alle Geschaefte sind geschlossen, die Strassen wie leergefegt. Vereinzelte Touristen haben sich fuer den Nachmittag ueber die Grenze gewagt, verfolgt von ebenso verloren wirkenden Souvenirverkaeufern.
Am Abend noch erwischen wir den Uebernachtzug nach Bulawayo, Zims zweite Stadt. In Bulawayo lebt Skha, eine Freundin aus Mwanza und beherbergt uns fuer unseren Aufenthalt. Die Kohlekraftwerke der Stadt stehen still, Kohleengpass. Benzin ist in gewissen Mengen wieder verfuegbar. Vor Stunden noch sahen wir eine Dampflok; nachdem der Strom fuer die E-Loks und dann der Diesel fuer die Diesel-Loks ausging, hiess es halt back to the roots. Halleluja! Wir gehen mit Skha zum Shoppen, ein wenig Lebensmittel fuer uns und ihre Familie. Nicht etwa wie in Ostafrika zum Markt, sondern in den Supermarkt fuehrt sie uns. Ein riesen Komplex aus noch besseren Tagen, die Regale weder voll noch leer sondern irgendwo dazwischen. Eine Regalreihe nur mit Salz, die naechste mit Toilettenpapier, die dritte nur Kekse. Die Waren bedecken grade nur die unteren Faecher der hohen Regale und nimmt man eine Flasche heraus, klafft ploetzlich ein Loch bis zum Regalruecken. Abgefahren. In anderen Geschaeften das gleiche Bild. Hier ein Schuh dort ein Hemd, verzweifelt wird vorgetaeuscht die Laeden seien voll. Dabei ist die Situation momentan schon wieder besser. Vor fuenf Monaten noch waren die Supermaerkte leer, allesamt. Bis auf Salz gab es nichts zu kaufen. Kein Reis, kein Mehl, nichts. Die Preise auf den Schwarzmaerkten wuchsen ins Unermessliche, nur mit US-Dollar bezahlbar. Die Inflationsrate des Zimbabwe Dollar lag bei geschaetzten 5000%. Heute laufen in Zambia Touristenfaenger durch die Strassen mit dem etwas anderen Souvenir. Noten des wertlosen Zim Dollars in Hoehe von 100 Billionen. Um es voll auszukosten einmal als Zahl: 100.000.000.000.000. Huebsch nicht wahr?!
Mittlerweile ist das viele Papier entwertet worden, soweit das nicht ohnehin der Fall war und als Waehrung dienen US-Dollar, suedafrikanische Rand und vereinzelt Pula aus Botswana. Die Kassen der Supermaerkte sind schon darauf getrimmt das Wechselgeld genau zu berechnen. Drei Dollar und 6 Rand. Pragmatisch.
Per Anhalter ging es bald weiter in die Hauptstadt Harare. Das Verkehrssystem des Landes ist bis auf ein paar Zuege voellig zusammengebrochen. An allen Hauptstrassen stehen Menschen mit Gepaeck und warten auf eine bezahlte Mitfahrgelegenheit. Waehrend unserer Reise durch Zim landeten wir also in den verschiedensten Vehikeln. Vom gewoehnlichen Minibus ueber Auto und Pickup-Ladeflaeche hin zum LKW-Fuehrerhaus. Jedes Fahrzeug ist zugleich Teil des Nah- und Fernverkehrs.
Harare schliesslich, Parallelwelt. Elegant, filigrane Wolkenkratzer mit Glasfront. Volle Laeden und erstmals volle Strassen. Hauptstadt und Hinterland fahren auf verschiedenen Spuren, Dampflok und ICE sozusagen. Den ganzen Tag ueber komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Einer sponaten Idee folgend suchen wir das State House auf, den Sitz vom Grossen M. wie wir Mugabe auf der Strasse nennen. Ihn zu kritisieren ist ein Verbrechen und kann mit Gefaengnis geahndet werden. Das State House ist umrundet von massiver Mauer, diese wiederrum gekroent mit NATO Stacheldrahtzaun. Kameras starren stumm in die Landschaft und Soldaten patrouellieren. Um ein paar Meter zur naechsten Kreuzung zu sparen wechseln wir die Strassenseite hinueber zur Mauer. Ein Zischen von hinten, wir drehen uns um. Die noch vorhin lose um die Schulter des Soldaten baumelnde AK-47 ist im Anschlag und richtet sich genau auf uns. Der Wachhund Mugabes auber war so nett und stellte Fragen erst bevor er schiesst. Zu ihm gewunken gehen wir langsam rueber, Dollar griffbereit, Geld regiert das Militaer. “We’re you from?” blafft e runs an. “Germany” die Antwort. “What are you doing here?” “Just walking to the other road, we’re sorry. We didn’t know.” Der Gute lies suns alsbald, sogar ohne Entloehnung ziehen, ohne uns zu Schweizer Kaese zu verarbeiten.
Die Lektion des Tages: Don’t walk on the wrong side, even if there are no signs at all. Und Mugabe trinkt seinen Tee gerne allein.
Gesund und Munter, ohne weiter Kalaschnikovs bin ich nun schon in Mosambik und geniesse meinen alten Freund den Indischen Ozean. Morgen gehts tauchen. Sollte ich wieder auftauchen gibts dann bald mehr zu diesem Land ;)

Samstag, 25. Juli 2009

Zambia - Liebe auf den zweiten Blick









Zambia, das Tor zum suedlichen Afrika empfing mich nach der Reise mit der M.V. Liemba auf ganz eigene Art und Weise. Mpulungu, ein kleiner Hafenort, der einzige des Binnenstaates, vollgestopft mit primaer Nichts. Die Strassen und das Land staubig, kein Markt, das Essen garantiert hoechstens Durchfall, ein Reinfall wie es scheint. Nicht fern, eine halbe Stunde im Minibus liegt die naechstgroessere Stadt, Mbala. Laut Reisebuch angeblich mit 200.000 Menschen gesegnet, bot sich uns ein noch oederer und noch tristloser Eindruck. Vergleichbar mit einer Wild Western Ghosttown, fehlten eigentlich nur die obligatorischen Grasbueschel, die vom Wind getrieben durch das Bild wehen.
Nord Zambia hat uns willkommen geheissen. Ein kleines Juwel jedoch gab es versteckt im Busch, erreichbar nur per Taxi oder Charterboot. Die Kalambo Wasserfaelle des gleichnahmigen Grenzflusses zu Tanzania sind die zweithoechsten Afrikas. Vor einem unbeschreiblichen Panorama stuerzt das Wasser 221m in die Tiefe, eingerahmt von schroffen Felsklippen, die weicheren Hueglen weichen.
Dennoch zog uns die Reise schon sehr bald nach Sueden. Ein 17h Hoellenritt sollte uns der vermeintlichen Zivilisation wieder naeher bringen. Die ganze Nacht ueber vom unertraeglich laut plaerrenden Fernseher wach gehalten, platzten wir im Morgengrauen in Lusaka, der Hauptstadt auf. Lusaka zu beschreiben ist nicht leicht. Nach aussen hin praesentiert sich die Stadt als haessliches Produkt sozialistischer Architektur der 70er und 80er. Vereinzelte hohe Plattenbauten, der hoechste Turm ausgebrannt, wenig Farbe, selbst der vermeintliche Prachtboulevard versprueht keinen Charm. Und doch geizt Lusaka nicht im Geringsten mit Charm. Die Menschen sind offen und freundlich, ein Jeder spricht gutes Englisch, die Frauen sind die weitaus schoensten, die mein bisher gesehenes Afrika zu bieten hat. Die Menschen wirken westlicher, sowohl in Kleidung als auch die Gesichter und das Auftreten. Selbstbewusst und gebildet ist man in Lusaka. Smalltalk ueber globale Themen war in Ostafrika zumeist undenkbar. Hier ploetzlich kennt man Southpark und Facebook, das Ruhrgebiet oder London.
Faehrt man aus Lusakas beschaubarem Zentrum raus findet man gigantische Shopping Malls vollgestopft mit jedem erdenklichem Gut. Afrika wie bisher gewohnt scheint hier zu enden, ein Afro-Europa beginnt.
Das beste aber war bis dato nie gewesen. Ich war als Weisser kein Exot, nicht der Eindringling oder Fremde, kein Mzungu. Zum ersten Mal ohne Ausnahme gleich, einer von Millionen, grandios. Das Gefuehl nach knapp einem Jahr als Exot in Tanzania (wenngleich es viele Weisse gibt..) ist unbeschreiblich.

Weiter von Lusaka machten wir Zwischenstopp in Choma, eingeladen von einer jungen Familie, die uns in Lusaka eingeladen hatte, genossen wir zambische Gastfreundschaft. Mit vollem Bauch und verkatertem Kopf zogen wir alsbald weiter zur letzten Station der Zambia Reise, Livingstone. Heimat der Victoria Falls, der groessten Wasserfaelle nach den Niagara Falls und Magnetpunkt fuer Touristen. Waren wir bisher im ganzen Land meist die einzigen Reisenden, herrschte ploetzlich grosser Trubel. Gute Backpacker Hostels, Shops mit Touri Schrott und ein paar Touts auf den Strassen, ein bunter Misch Masch mit doch viel zu vielen Touristen.
Die Victorie Falls sind einfach ein majestaetisches Wunder und ich aergere mich grade, habe ich meine Fotos im Hotel vergessen. Werden aber so bald als moeglich nachgeliefert!
Ein grosses Angebot an Aktivitaeten bietet der Ort und so kam es das ich Premiere im Ultraleicht Fliegen hatte, Wahnsinn!

Zambia ist ein Ort zum laenger bleiben, aussen rauh und fad, innen voller Waerme und faszinierenden Menschen.

Mittlerweile sitze ich in Harare, Hauptstadt des zerschundenen Zimbabwes, dem ich mich im naechsten Blog widmen werde. Bis dahin...

Montag, 13. Juli 2009

Unterwegs auf deutschen Hinterlassenschaften

Neben den vielen Negativ-Aspekten hat die kurze Zeit kolonialer Besatzung Tansanias durch die Deutschen bis heute auch ein paar gute Dinge hinterlassen. Die beiden Bedeutendsten haben meine Reise fuer rund eine Woche gestaltet. Von Dar es Salaam stieg ich mit Sahand und Paula auf die Central Line Zuglinie, einstmal bekannt unter dem Namen "Deutsch-Ostafrikanische Mittellandbahn", hin nach Kigoma. Fertiggestellt anno 1914 auf einer Strecke von 1400km, zieht sich die Linie vorbei an kurios anmutenden Bahnhoefen, durch staubtrockene Savannen sowie durch viele Doerfchen und Staedte. Ueber zwei Tage ratterten wir also in den altersschwachen Waggons mit gemaechlichen 40km/h durch die Landschaft, plauderten mit Soldaten und Reisenden aus ganz Ostafrika, unter anderem aus dem Kongo und Burundi. Immer wieder stoppte der Zug fuer afrikanische fuenf Minuten, was den Fahrgaesten Gelegenheit gibt, Handel zu treiben. Und dieser blueht bunt, stellt der Zug fuer etliche Doerfer den eigentlichen Marktplatz und Absatzmarkt dar. So wechslen Eimer voller Honig, Saecke mit Reis und Bohnen, Zuckerrohrstangen, geflochtene Koerbe oder gleich ein ganze Wohnzimmergarnitur den Besitzer. Unsere Mitreisenden aus dem krisengeplagten Kongo deckten sich mit allem erdenklichen Gut ein, ein kleiner Fingerzeig nur auf die Situation ueber der Grenze.
40 Fahrstunden weiter und einen Rucksack weniger im Besitz erreichten Sahand und ich Kigoma. Paula, der ihr Rucksack aus dem Abteil vom Dach des fahrenden Zuges aus gestohlen wurde, stieg in Tabora aus und schlug den Rueckweg nach Mwanza ein.
Kigoma behergte uns von dort an fuer ein paar Tage, in welchen wir auf unsere Weiterfahrt mit dem naechsten Relikt warteten. Dieses ist ein Schiff deutscher Bauart aus dem Jahre 1915, in Deutschland konstruiert, gebaut und in Teile zerlegt, verschifft und per jenem Zug nach Kigoma gebracht. Dort wurde es auf dem Tanganyikasee zu Wasser gelassen, getauft auf den Namen “ Graf von Goetzen”. Als Handelsschiff mit den Anrainerstaaten gedacht, wurde es aufgrund des Weltkrieges schnell zum Kriegsschiff umfunktioniert und schon bald von den Belgiern versenkt. Dazu muss gesagt werden, dass der Tanganyikasee mit 1400m Tiefe der zweittiefste See der Erde ist und die gute “Graf von Goetzen” nun auf dessen Grund lag. Nach dem Abzug der Deutschen wurde sie geborgen, sank jedoch vor Ankunft im sicheren Hafen noch einmal. Nach zweiter Bergung und leichten Reparaturen dient das Schiff, umgetauft auf M.V. Liemba, seitdem dem Personen- und Frachtverkehr auf dem Tanganyikasee und verbindet Tansania mit dem Kongo, Burundi und Zambia.
Zwanzig Zwischenstopps ueber zwei Tage, in denen kleine Boote, teils motorisiert, teils von Paddeln vorangebracht, an das Schiff andocken, dauert die Fahrt. Fuer diese Boote dient die Liemba, wie schon zuvor der Zug, als Marktplatz zum Warentausch und zugleich als Versorger mit Industrie- und Luxusguetern. Bei jedem Stopp stiegen Menschen ein und aus, alles ueber die kleinen Boote laufend. Im uebrigen mit an Bord waren 10 Soldaten alle mit Kalaschnikov bewaffnet. Der Steuermann verriet mir, dass ein Schwesterschiff der Liemba vor drei Jahren von kongolesischen Soldaten auf Schnellbooten attakiert wurde. Unter deren Beschuss geraten suchte das Schiff sein Glueck in der Flucht und konnte die marodierenden Soldaten mit Glueck abhaengen. Unsere Fahrt war zum Glueck wesentlich ruhiger und entspannt und so bin ich nun in Zambia angekommen. Zu diesem fuer mich neuen Land, schreibe ich dann naechstes Mal.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Im Indischen Ozean









Pangani ist ein kleines Swahilidorf suedlich von Tanga, das uns vier Tage mit seinem Charm von Langsamkeit und Ruhe einlullte. Der einzige Verkehr besteht aus Fahrraedern und Dhows - traditionellen Segelbooten. In Zwei geteilt ist das Dorf vom Panganifluss, der hier in den Indischen Ozean muendet. Verbunden sind die beiden Ufer von einer alten, klapprigen Faehre. Von Meeresfruechten, Schnorcheln und Meer verwoehnt entschieden wir uns zur Weiterreise am fuenften Tag. Intensive Diskussionen gingen dieser Entscheidung voraus, Wagemut contra Dummheit. Denn ganz ohne sollte die geplante Ueberfahrt nach Zanzibar nicht werden, zumal sie auf einem Dhow stattfinden sollte. Diese sind groessere, einmastige Nussschalen, die weitgehend noch so sind wie schon bereits vor 1000 Jahren. Am fuenften Morgen also um 4:00h standen wir am Hafen. Das Boot jedoch war weniger gross und vertrauenserweckend als erhofft und auf unsre Frage nach Schwimmwesten gabs nur Schulterzucken von der Crew. Wozu auch? Auf unser Unbehagen ueber eventuell anstehendes Freischwimmen im Indischen Ozean hin, wurden noch rasch welche besorgt, wenngleich im Fall der Faelle auch das nur Kosmetik bedeute.
Aber nun, wir hatten uns entschieden und da mussten wir wohl durch. Von den vorraussichtlich sechs Stunden Fahrtzeit bis Zanzibar sollte der Aussenbordmotor zu Beginn fuer Schwung sorgen, bevor das Segel allein regiert. Dumm nur das kurz nach Ablegen von der Kueste besagter Motor andere Plaene hatte und sich fuers Erste ins Reich der Traeume verabschiedete... Ahoi! Einen Hit von Heino ueber Schiffe, Madagsakar und die Pest an Bord im einen und sich erbrechende Frauen im anderen Ohr, sank die Stimmung schnell. Gegen Sonnenaufgang jedoch erwachte mit dem neuen Tag auch unser werter Motor zu neuem Leben. Neben der Seekrankheit der Frauen, profitierte auch unsere Moral sehr davon.
Nach weiteren Stunden nunmehr friedlichen und entspannten Segelns, wir hatten nun Vertrauen in unser Boot und die humorvolle Crew, geschah das Highlight des Tages. Ein schnoerkelloser Suizid. Der kleinste Passagier des Dhows, ein seekrankes Huhn, hatte sich aus seinem Gefaengnis an Bord befreit. Waehrend die Crew noch diskutierte ob der Passagier einzufangen sei, machte das todesmutige Huhn kurzen Prozess, flatterte mit seinen kuemmerlichen Stummelfluegeln und landete nach imposantem Flug inmitten vom Indischen Ozean. Pech nur, dass das Festland nunmehr 50km zurueck lag. Huhn ueber Bord! Pole sana sagen die Tansaner in dieser Situation. Lediglich die Besitzerin der stolzen Henne war nicht sonderlich amuesiert von der willkommmenen Unterhaltung, so ein Huhn ist gutes Geld wert.
Nach schliesslich sieben Stunden hiess es Land in Sicht. Mit einem Abenteuer mehr im Gepaeck wateten wir zwischen Seeigeln an Zanzibar an Land.
Dort nach eineinhalb Tagen Pause, waren wir schnell muede vom sehr touristischen Treiben und suchten den Rausch der Grossstadt, Dar es Salaam, Hafen des Friedens. Wer dieser Stadt jenen Beinamen gegeben hat, dessen Verstand ruhte wohl auch in Frieden. Dar, von seinen Bewohnern liebevoll Bongo genannt, hat neben stundenlangen Staus und Mamas die auch nachts um vier noch Wali Maharage, Reis mit Bohnen, verkaufen, eher wenig Exotisches zu bieten. Dennoch bot es uns eine gute Basis zur Organisation der weiteren Reise. Diese naemlich geht in zwei Tagen mit dem Zug weiter nach Kigoma 1400km westlich am Tanganyikasee. Der Zug uebrigens stammt noch aus deutscher Kolonialzeit und steuert somit mit seinen kontinuierlichen 25kmh auf die 100 Jahre zu. Mehr dazu in ein paar Tagen.

Sonntag, 21. Juni 2009

unterwegs...

Usambara Mountains

Deutscher Uhrturm in Tanga

Familie in den Usambara Mountains








Eine Woche ist es her, dass ich endgueltig von Mwanza Abschied genommen habe. Bei Wein und Sonnenuntergang haben wir den letzten Abend auf den 'dancing rocks' einer unglaublich grossen Felsformation verbracht und den Blick auf den Viktoriasee genossen. Dann begann die Reise. Am Kilimanjaro vorbei bin ich zusammen mit Paula und Sahand, zwei Freunden aus Mwanza, nach Lushoto in die Usambara Mountains gefahren. Dort stehen die letzten noch existierenden Regenwaelder Tansanias. Ueber drei Tage wanderten wir Berge rauf und runter, durch den dichten Wald und ueber allzu viele Felder und Wiesen. Immer wieder von enormen Kinderscharen begleitet, die laermend wazungu, weisse, uns hinterherriefen. Denn die Kinder hatten die Lehre eines Sprichwortes gelernt das sagt, 'simba anauma, mzungu haumi', der Loewe beisst, der Weisse jedoch nicht. Neben Geschrei, wehen Beinen und traumhafter Landschaft haben wir uns knapp suedlich des Aequators zudem kraeftig den Arsch abgefroren. Zwei T-Shirts, Fliessjacke und Regenjacke, soviel Kleidung zugleich habe ich schon lange nicht mehr getragen, wobei ich damit in Deutschland wohl niemanden beeindrucken kann ;P
Von dort aus dem kleinen Doerfchen Mtae auf einem Felsen in 1900m Hoehe trohnend, ohne Strom und Stress brachte uns um vier Uhr nachts ein Bus ueber die Gebirgspaesse langsam Richtung Ozean. Tanga. Nicht der zwickende String, sondern die zweitgroesste tansanische Hafenstadt, ist nun fuer zwei Tage mein zuhause. Ein wenig fuehle ich mich hier nach Deutschland zurueckversetzt. Viele alte noch aus deutscher Kolonialzeit stammende Bauten praegen das Stadtbild. Fachwerkhaeuser, Parks und grosse Standuhren in kaiserlich wihelministischem Stil. Verrueckte Welt. Verrueckte Welt war uebrigens auch in den Usambara Mountains. Aufgrund der fiesen Kaelte, die eigentlich gemaessigtes Klima heisst, wachsen dort Dinge wie Broccoli, Rhabarber und Erdbeeren. Schade nur dass die Saison fuer Erdbeeren schon im Januar war.
Morgen dann geht es weiter an der Kueste lang und auf die Archipele im Indischen Ozean, bevor es wieder in den afrikanischen Kontinent hineingeht. Aber mehr dazu gibts naechstes mal. Karibuni tena!

Mittwoch, 27. Mai 2009

Die Zeit ist reif

Wusch zappzarapp knallbummbaeng! Meine Zeit neigt sich dem Ende entgegen, was mir hier in Mwanza nun noch verbleibt ist mehr als beschaulich. Diese Woche ist die letzte in der ich noch offiziell auf der Arbeit bin, zehn Monate sind vorbei.
So lang mir ein solcher Zeitraum erschien bevor ich hierher kam, so kurz ist er eigentlich weiss ich nun. In einer anderen Umgebung in neuem Kulturkreis und spannender Arbeit gibt es schlichweg so unendlich Vieles zu erkunden und entdecken, langweilig werden konnte es mir nie. Kein Wunder also, dass die Zeit wie im Rausch verfliegt. Dennoch so schnell sie vergeht, manche Woche schien gar nur aus Montag und Freitag zu bestehen, so lange kommt es mir doch vor seit ich Deutschland verlassen habe. Viele Erlebnisse und Erfahrungen kann ich nun mein nennen und fuehle mich um so vieles wertvolles bereichert. Das Leben in Tansania und Mwanza, meine Arbeit fuer Upendo Daima, die Jungs auf der Strasse, alles ist mir heimisch und vertraut geworden und mochte ich nicht mehr missen. Vor Deutschland hingegen fuerchte ich mich nun. Ein vertrautes und nunmehr doch so fremdes Land, das bald auf mich wartet. Vieles erscheint mir hier so fremd, wenn ich per Internet oder Telefon in die deutsche Heimat eintauche. Mein Kopf steckt hier in Afrika und fuehlt sich sichtlich wohl. Das Leben hier ist anders, es ist intensiv und nie habe ich das Gefuehl meine Tage mit blankem Nonsens zu fuellen. Vor Buerokratie, Odrnung, Zeitzwang und Verschlossenheit graut es mir. Doch wird Deutschland gewiss auch gute Seiten fuer mich bereithalten, die es wieder zu entdecken gilt.
Diesen Freitag nun steht mein Abschied auf der Arbeit an, zwei Tage drauf von Freunden hier in Mwanza und dann, ja dann geht es los auf grosse Reise.
Ein wenig Zeit verbleibt mir dann doch noch, grosses Glueck. Ein Auge lacht schon beim Gedanken auf die vielen Orte und Menschen die noch warten, bis ich am 18. September in Frankfurt aufpralle. Mein Weg fuehrt mich auf Schleifen nach Suedafrika, wo ich Karin, eine gute Freundin in Port Elizabeth besuchen werde. Das spannende jedoch wird der Weg sein, der mich durch Zambia, Zimbabwe, Mosambique und Swasiland fuehren wird. Fuer drei Monate ist die Strasse mein Zuhause, bis ich schliesslich, so hoffe ich zumindest, in Kapstadt ankommen werde und vom afrikanischen Winter in europaeischen Spaetsommer eintauchen werde. Bald also so hoffe ich werde ich viele spannende Berichte meiner Reise verfassen, denn als Allein-Reisender werde ich wohl Zeit genug dazu haben. Safari njema, gute Reise, so der Ausspruch auf Kiswahili, wuensche ich auch Euch allen beim Reisen durch den eigenen Alltag und Karibuni sana beim Verfolgen meiner eigenen Wege.