Montag, 23. Februar 2009

Africa Cup of Nations


Am afrikanischen Fussball da gibt es einige tolle Dinge. Zum einen ist das ganze ansehnlicher als so manches europaeische defensiv-Gekicke, naemlich wunderbar offensiv. Schwalben, Faulen, Meckern, wozu denn? Man ist hart im Nehmen. Zum Anderen findet der Africa Cup of Nations, das Pendant zur EM nicht alle vier Jahre, sondern jedes Jahr statt.
Gestern war Anpfiff in der Elfenbeinkueste und zum Ersten Mal in der Cup Geschichte auch fuer die Taifa Stars aus Tansania.
Leider gabs sogleich eine 1:0 Pleite gegen Senegal, aber noch ist ja lange nicht Schluss. Am Donnerstag werden wir in Pasiansi ein wenig Deutsche Fankultur einfuehren, nachdem wir gestern schon die Einzigen mit Nationalflagge waren. Mit Trommel, Trikot und Schminke bewaffnet, wird es spannend wer die Zuschauer unterhalten wird, das Spiel oder die verrueckten Wazungu... Karibuni auch in Deutschland zum Schauen und Anfeuern 'unseres' Teames ;) das haben sie nach dem Start nun auch noetig.

Samstag, 21. Februar 2009

Welche Hautfarbe hast du eigentlich?


''Welche Hautfarbe habe ich eigentlich?'' Ist doch ganz klar, weiss. Oder etwa nicht?!
Diese Frage stellten Schueler einer Freundin, nachdem sie im Unterricht diskutiert hatten welche Hautfarbe ein Afrikaner denn so hat. Schwarz? Naja so ganz schwarz ist es ja nun nicht, wohl eher braun so der Konsens zwischen Lehrer und Schuelern. Auf die Frage was die Hautfarbe der vermeintlich Weissen denn sei, jedoch war der Lehrer und auch meine Freundin ratlos. Ganz weiss sind wir schliesslich nicht, aber fuer braun reicht es genau so wenig. Doch einer muss es doch wissen, ein Traeger ebenjener Farbe. Doch waren die Schueler verbluefft von der Freundin keine klare Antwort zu erhalten. ''Du musst doch wissen welche Farbe deine Haut hat! Das ist doch dein Koerper, interessierst du dich etwa nicht fuer ihn?''
Doch auch ich weiss keine Antwort. Beim Diskutieren dann fiel uns etwas ein: Im guten alten Wasserfarben-Malkasten da gibt es doch eine Farbe, die von unserer Haut. Doch was stand da gleich geschrieben? Der Name jener Farbe so der Malkasten, lautet Hautfarbe...
Ob das die Frage der Schueler wohl beantwortet? Manchmal so scheints beisst der Hund sich in den Schwanz...

Sonntag, 8. Februar 2009

Reise in die Vergangenheit


Diese Woche war ich mit Peter einem unserer Worker fuer die Arbeit unterwegs. Wir brachten drei unserer Jungen nach langer Ruecksprache zu ihren Familien zurueck, fernab von Mwanza in kleinen Doerfern. Unterwegs auf Schiffen, Booten und Boetchen, Motorraedern, Fahrraedern, Trikes, Jeeps, Bussen oder zu fuss erreichten wir die entlegenen Orte am oder im Viktoriasee. Zwar gerademal 150 bis 250 km von Mwanza entfernt brauchten wir fuer beide Wege ganze vier Tage. Erstmals sah ich auf unserer Reise, das Tansania in dem bei weitem die meisten Menschen leben. Lediglich rund 10% der Bevoelkerung leben in urbanen Regionen. Auf dem Lande leben die meisten Menschen von Subsistenzwirtschaft. Medizinische Versorgung ist selten, die Stromversorgung betraegt ganze 3%. Alles war sehr sehr anders als das was ich vom doch recht weit entwickelten Mwanza gewohnt war und erstmals wurde ich mit Armut jenseits von bettelnden Strassenkindern konfrontiert.
Nichtsdestotrotz gibt es in den Staedten eine Hand voll Menschen, die es zurueck zieht zum Leben im Dorf und zum Bauerndasein.
Die Reaktionen der Familien zu denen wir reisten waren sehr unterschiedlich auf das ploetzliche Auftauchen eines lange verschollenen Kindes. Gleichmut bis zur fassunglosen Freude. Eines aber war stets gleich, ein Weisser im Dorf, das ist eine Seltenheit. Staunen, Starren, Rufen. Von manchen wurde ich sogar nicht Mzungu, Weisser, gerufen, mangels Vergleich wohl als Mwarabu, Araber oder auch Mchina, Chinese eingestuft.
Deutlich laenger als geplant wurde unsere Reise durch die typische Eigenort unserer Jungs. Am Viktoriasee gibt es zwei recht weit voneinander entfernte Orte, Kome ein Insel und Nkome Festland. Zwei der Jungs kamen angelblich aus Nkome, fuer dessen Erreichen wir auch bezahlt hatten. Statt anstatt 20 Stunden Schifffahrt, war die Reise schon nach vier Stunden vorbei als James uns beim ersten Stopp an Kome mitteilte, hier sei sein Zuhause. Der Weg von Kome nach Nkome schliesslich dauerte mehr als einen Tag.
Ein anderer Junge wollte seit langem zur Bibi, seiner Oma in Muganza einem elend kleinen Dorf. Dort endlich angekommen dann fiel ihm ein, bei Mama ist es doch am besten. Die jedoch lebt in genau entgegengesetzter Richtung, aus der wir uebrigens auch kamen...
Aber was solls, ich reise ja gern und sah eine Menge rund um den See, Peter jedoch nahms nicht so locker und war mal garnicht typisch tansanisch entspannt.

Samstag, 17. Januar 2009

Brick in the wall
















Diesmal gibt es ein wenig Neues von der Arbeit. Schon vor Weihnachten habe ich mit den Jungs ein Projekt gestartet in dem wir zwei Mauern, die das Center umgeben gestalten wollen. Die beiden Bilder stehen unter dem Motto ''Leben auf der Strasse'' sowie ''Leben im Center''. Hintergedanke war eine Moeglichkeit zu bieten das Erlebte auf diese Weise aufarbeiten zu koennen. Die Jungs sind tatsaechlich voll bei der Sache und zeigen sich sehr kreativ und konzentriert wie sonst kaum. Das Resultat wird es in ein bis zwei Wochen dann hier zu sehen geben.

Sonntag, 11. Januar 2009

Die Post ist da!

Ein ganz ganz grosses Dankeschoen an alle lieben Koelner fuer das fantastische Paeckchen. Ich habe mich riesig gefreut und durchlebe nun fleissig jeden Morgen den Advent. Danke fuer all die Leckereien, die ich sonst vermisse, mein Essensplan war nie so reichhaltig ;) und auch fuer die Gruesse und Briefe und dass Ihr an mich gedacht habt. Asanteni sana! Nimefurahia kabisa!

Haengengeblieben

Kurz und knapp habe ich Neues zu sagen. Mein Rueckflug im April faellt aus, Emirates ist pleite. Ich stecke fest, tief in Afrika, verdammt auf den naechstmoeglichen Ersatzflug im September zu warten. Ich kann rein garnichts dafuer, mein Kopf hat sich unabhaengig gemacht und entschlossen, er sei noch nicht fertig hier und wolle etwas laenger bleiben.
Seit rund zwei Wochen ist es offiziell, Upendo haelt mich gerne noch was da, weltwaerts Verlangerung ist im Gange, und mein lieber Jonas ist mein Kollaborateur in Koeln, um meine Beurlaubung zu verlaengern. Auch wenn ich mich schon auf meine Rueckkehr nach Deutschland freue, so war mir der April ploetzlich zu nah, acht Monate waren einfach noch zu kurz. Fuer den September aber gibts mein Ehrenwort, auch Emirates haben dem zugesagt.

Korruption im eigenen Wohnzimmer, Klappe die zweite!

Wie jede Geschichte, so hat auch diese eine zweite Seite und die andere Haelfte des Kuchens habe ich vorgestern bekommen. Frustiert von den Neuigkeiten ueber Skha, schrieb ich vielleicht komme sie ja doch noch zurueck, ohne recht daran zu glauben. Am Morgen meines Geburtstages gab es dann das erste Geschenk per sms. Skha, die schreibt sie komme abends zuhause an. Und tatsaechlich kam sie nachts bei mir in Mwanza an. Am naechsten Tag haben wir dann gesprochen und ich fragte sie nach dem Geld. Zuvor beschwerte sie sich darueber von Agrepina bei Kate, der amerikanischen Gruenderin des Amani Girl's Home, angeschwaerzt worden zu sein. Agrepina habe ihr gesagt, Skha komme nie zur Arbeit, und die Maedchen im Center bekaemen kein Essen, weswegen sie tagsueber auf die Strasse betteln gingen. Beides ist Unfug. Das Amani Girl's Home kenne ich und zu Essen gibt es dort genug und keines der Maedchen ist auf der Strasse zum betteln. Auch ist Skha regelmaessig zur Arbeit gegangen. Jedenfalls erklaerte Skha sich so, dass ihr Gehalt gestrichen wurde und nach ihrer Rueckkehr aus Zimbabwe kein Geld auf ihrem Konto ist. Ueber die Anschuldigung 6 Millionen veruntreut zu haben, war Skha sehr erstaunt. Sie koenne jede Ausgabe nachweisen, alles sei dokumentiert. Agrepinas These war, Skha habe beim Kauf des Dala Dala anstatt der erhaltenen 11 Millionen lediglich 6 fuer den Kauf bezahlt. Der Kaufvertrag aber ist auf 11 Millionen dotiert und den obligatorischen dritten Zeugen des Kaufes gebe es, der die Zahlsumme von 11 Millionen bestaetigen kann, so Skha. Auch unsere Mieteinnahmen seien im Center angekommen. Agrepina koenne das nicht nachvollziehen. Sie war seit einem halben Jahr abwesend aufgrund von Schwangerschaft. Ich erinnere mich, dass Skha oefters gleich nach dem Erhalt des Mietgeldes in der Stadt Lebensmittel fuers Center kaufen ging.
Was also ist dran? Klingt nach einer schlechten Talk Show, nur lustig ists nicht. Eines zumindest ist klar, naemlich das Skha, Aldrian und auch ich puenktlich zum Monatsende aus dem Haus geworfen werden. Nun haben wir noch drei Wochen eine andere Wohnung zu finden. Auch unsere beiden Nachtwaechter, die fuer die Sicherheit vom Amani Girl's Home angestellt waren, hat Kate von den USA aus fristlos entlassen. Besten Dank auch, Arbeitsschutz scheint halt doch nur in den Staaten zu gelten, hier kann man sich dann auffuehren wie man will, nicht wahr Kate?!
Skha hat Kate in ihrer Beschreibung in keinem guten Licht stehen gelassen. Auch Marga, meine Chefin und Gruenderin von Upendo Daima, hat Kate in keiner guter Erinerrung. Diese haben einst zusammengearbeitet. Kate war Koordinatorin des Centers Upendo Daima Girls, hat sich dann aber abgestalten und den Namen in Amani Girl's Home gewandelt, ihr Center und niemandes sonst.
Was davon nun zu halten ist, muss wohl jeder fuer sich selbst wissen. Ich denke mir nur, dass wenn Skha solche Mengen Geld veruntreut haben soll, waere sie wohl kaum aus Zimbabwe zurueckgekehrt. Ende der Daily Soap fuer heute.